Einführungsmodul
In diesem Modul wird sich allen Themen genähert, die während des weiterbildenden Studiums vertieft werden sollen. Neben vielen administrativen Informationen werden auch wichtige inhaltliche Felder angesprochen. Die Rolle des Dolmetschers und seine unterschiedlichen Einsatzbereiche sowie das Berufsbild des Gebärdensprachdolmetschers und die ihm zur Verfügung stehenden Werkzeuge werden vorgestellt und reflektiert.
Am Ende des Einführungsmodul steht die Eignungsprüfung, in der über die Zulassung der Bewerberinnen und Bewerber entschieden wird. Folgende Aspekte werden in dieser Eignungsprüfung berücksichtigt: (a) sicherer Umgang mit zwei Sprachen, (b) Verständnis des Berufsbilds "Gebärdensprachdolmetschen" und (c) elementare Kenntnisse im Bereich Gebärdensprachdolmetschen (Simultandolmetschen, Konsekutivdolmetschen, Vom-Blatt-Übersetzen, Dolmetschen mittels Teleprompter und Einsatzbereiche der/des Gebärdensprachdolmetscher/in).
Gedächtnistraining
Dolmetschende benötigen in ihrer
täglichen Berufspraxis ein ausgezeichnetes Gedächtnis:
Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis. Durch einen kontinuierlichen
Wissenszuwachs in möglichst vielen Themenbereichen und der Fähigkeit,
gespeichertes Vorwissen im richtigen Moment abzurufen, kann so manche
Hürde im Dolmetschprozess überwunden werden. Dabei spielen folgende
Faktoren eine Rolle: Wahrnehmung, Konzentration, Merkfähigkeit,
Wortfindung, Formulierung, assoziatives Denken, logisches Denken,
Strukturieren, Urteilsfähigkeit, Kreativität und Denkflexibilität.
Translationswissenschaft
Das Modul bietet einen
Überblick über die unterschiedlichen Fragestellungen, mit denen sich
Translationswissenschaftlerinnen bzw. -wissenschaftler beschäftigen. Im
Laufe des Moduls werden wir mit verschiedenen Translationsmodellen
arbeiten, die die mentalen Voraussetzungen und den Dolmetschprozess in
einem menschlichen Dolmetscher verdeutlichen. Ein fundiertes Wissen
über diesen Prozess erleichtert in der späteren praktischen Arbeit die
Fehleranalyse und ist die Grundlage einer realistischen Einschätzung
der eigenen Dolmetschleistung.
Ethik
Anhand
der gültigen Berufs- und Ehrenordnung des Bundesverbandes der
Gebärdensprachdolmetscherinnen bzw. -dolmetscher werden wir die Rechte
und Pflichten Dolmetschender
Linguistik für Gebärdensprachdolmetscher/innen
Das Modul befasst sich mit den Grundlagen der allgemeinen und
angewandten Gebärdensprachinguistik für angehende
Gebärdensprachdolmetscherinnen und Gebärdensprachdolmetscher. Dabei
spielen folgende Aspekte eine Rolle: soziolinguistische Varietäten
(Region, Alter und Gender), home signs (Hausgebärden), linguistischer
Status von International Sign und Verwendung der ikonischen
Eigenschaften und des Gebärdensprachraums.
Vom-Blatt
Übersetzen
Dolmetschende,
unabhängig in und aus welcher Arbeitssprache sie arbeiten, bedienen
sich unterschiedlicher Techniken. Eine dieser Techniken ist die des
Vom-Blatt-Übersetzens. Hierbei geht der bzw. die Dolmetschende von
einem schriftlich vorliegenden Ausgangstext aus. Dieser Text wird
hinsichtlich seines Sinns analysiert und in einer von der
Ausgangssprache unterschiedlichen Zielsprache neu formuliert. In
unserem Seminar sind Schriftsprachtexte unser Ausgang und
Neuformulierung in Deutscher Gebärdensprache, International Signs oder
Gebärdensprache eines anderen Landes Gegenstand und Ziel der
Bearbeitung.
Simultandolmetschen
Beim
Simultandolmetschen handelt es sich um eine Dolmetschtechnik, bei der
zwischen der Aufnahme der Ausgangssprache und der Reformulierung in der
Zielsprache möglichst wenig Zeit vergehen soll. Es werden den
Teilnehmenden gebärdensprachliche Übungsmaterialien aus
unterschiedlichen Übersetzungssituationen zur Verfügung gestellt.
Verdolmetschung, Analyse und Reflexion der Produkte stehen im
Mittelpunkt des Moduls
International Sign
Dieses
Modul bietet eine Vertiefung verschiedener Gebärdensprachstrategien in
International Sign an. Zu den Strategien gehören unter anderem: a)
Auswahl bestimmter Gebärden, b) optimale Nutzung von ikonischen
Eigenschaften, c) Gebärdensprachraumnutzung und d) "constructed
actions" und "constructed dialogues". Die Verwendung von International
Sign hängt von verschiedenen Situationen ab. Diesbezüglich stehen zwei
Aspekte im Mittelpunkt: a) Verwendung der International Sign auf
internationalen Konferenzen und b) Verwendung der International Sign im
Umgang mit tauben Migrantinnen und Migranten in Deutschland.
Teamdolmetschen
Normalerweise arbeiten Dolmetscher in Teams von zwei oder mehr
Dolmetschern. In diesem Modul werden die unterschiedlichen
Möglichkeiten des Teamdolmetschens erprobt: gemeinsame Vorbereitung eines Einsatzes; Arbeiten mit einer "Kopie" des Ausgangstextes; Arbeiten mit einer Übersetzung eines hörenden Kollegen
(feeding interpreting); allgemeine Hilfestellungen Zahlen, Namen, dem Einsatz
visueller Materialien usw.
Dolmetschen vom Teleprompter
Immer
mehr taube Dolmetscherinnen und Dolmetscher werden in Fernsehsendungen
und bei der Erstellung von Gebärdenvideos eingesetzt. Mittels eines
Teleprompters werden schriftsprachliche Texte in die Deutsche
Gebärdensprache, Gebärdensprache eines anderes Landes oder
International Sign vor der laufenden Kamera simultan übersetzt. In
diesem Modul werden die Dolmetsch- und Übersetzungstechniken
angeeignet.